Studio Visit: Douglas Gordon

Zu Gast beim Commandeur des Arts et des Lettres

Douglas Gordon macht was er will und geht mit seiner Kunst bis an die Schmerzgrenze. Seine kompromisslose Art hat ihm schon in jungen Jahren den Turner Prize beschert. Seitdem gehört das schottische Enfant terrible zu den bedeutendsten Videokünstlern der Welt. Jetzt wurde der Wahlberliner zum Commandeur des Arts et des Lettres ernannt und bekam somit den höchsten französischen Verdienstorden verliehen. BOX IN A SUITCASE hat Douglas Gordon in seinem Studio besucht.

Im Atelier mit Douglas Gordon

Douglas Gordons Atelier erreicht man über einen typischen Berliner Hinterhof. Hier arbeiten er und sein Team auf zwei Etagen – eine davon ist dem Künstler vorbehalten. Das große helle Loft, an dessen Wänden zahlreiche Fotos hängen, ist erstaunlich aufgeräumt. Am Ende des Raumes steht ein Flügel, auf dessen glänzender Oberfläche Douglas einen ausgestopften, kopflosen Wolf platziert hat, den er geräuschvoll zur Seite schiebt. Geräuschvoll deshalb, weil die Krallen des Wolfes deutliche Spuren auf dem schwarzen Lack hinterlassen. Dann bedeutet er mir, auf dem zerkratzen Musikinstrument Platz zu nehmen.

Der schöne Flügel …

Douglas Gordon: Darling, ich mach das seit Jahren!

 Na dann …

Douglas Gordon: Ich möchte, dass wir da oben sitzen!

Von mir aus. Was tut man nicht alles für ein paar Antworten.

Ich steige auf den Klavierhocker und setze mich auf den Flügel. Douglas klettert neben mich.

Douglas Gordon: Versehentlich hab ich mit dem linken Fuß genau den gleichen Ton gespielt wie mit dem rechten! Ich schwöre, ich hab hier nicht gesessen und das geübt!

Beeindruckend.

Douglas Gordon: Ja oder?

Du kommst aus Schottland, hast lange in London gelebt, weshalb hast Du Dein Studio inzwischen in Berlin?

Douglas Gordon: Das Tolle an Berlin ist, das ich hier machen kann was ich will. Und ich liebe es, das ich härter arbeite als sonst irgendwer, der hier lebt. Hart arbeiten ist eine Leidenschaft von mir. Eine meiner Leidenschaften.

Scheint eigentlich eher so, als ob das Atelier Dein Spielplatz wäre.

Ja ist es auch. Es ist ein Ort an dem man sich austesten und alles ausprobieren kann. Wenn mich zum Beispiel mein Freund James Franco hier besucht, dann würden wir genauso experimentieren wie wir beide es gerade tun.

Mit Douglas Gordon auf dem Klavier. Foto: Benedict Siecheneder

Du verbrennst in Deiner Kunst die Gesichter von Popstars und machte sie zu Zombies. Möchtest Du bewusst provozieren?

Douglas Gordon: Ich weiß nicht genau ob ich das Wort Provokation mag. Ich mag es jedenfalls nicht provoziert zu werden. Das ruft ziemlich fiese Erinnerungen an Nächte damals in Glasgow wach. Aus Provokation entsteht meistens nichts Gutes.

Trotzdem hast Du für Deine Videoinstallation „The End of Civilisation“ auf schottischem Grenzland ein Piano in Brand gesetzt….

Douglas Gordon: Ich glaube, Du denkst es geht um dieses selbstzerstörerische „lass uns das weiße Haus nieder brennen, lass uns Dinge in Brand stecken“ – das interessiert mich schon, ich stecke Sachen in Brand, ich flute Dinge aber es ist keine Große Sache, ich mach nur meine albernen Kunstwerke!

Geht es Dir darum, in Deiner Kunst Grenzen zu überschreiten?

Douglas Gordon: Ich bin ein sehr freier Mensch, ich hab das große Glück von Leuten umgeben zu sein, die mich unterstützen, ich sehe keinen großen Unterschied zwischen Kunst und dem Rest der Welt.

Genau das hat Douglas während unseres Besuches auch gleich ausreichend unter Beweis gestellt. Unser Interview verwandelte sich in ein mehrstündiges improvisiertes Spiel, das hier nur unzulänglich wiedergegeben werden kann. Die Requisiten: Handgefertigte Overkneestiefel von einem der besten Schuhmacher der Welt, die Douglas für eine Performance verwendet hat, eine Axt, ein ausgestopfter Wolf und natürlich der schwarze Flügel.

Wenn es einen Preis für den ungewöhnlichsten Atelierbesuch gäbe, hätte Douglas Gordon diesen jedenfalls noch viel mehr verdient, als den Commandeur des Arts et des Lettres.

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