White Cube presents: Harland Miller’s One Bar Electric Memoir

Harland Miller. „If“, 2017. Foto: White Cube / George Darrell

Harland Miller gehört bereits seit Jahren zu den Londoner White Cube Künstlern. Einen Namen machte er sich in Großbritannien vor allem durch seine Penguin Paintings, Buchcovergemälde, die sich an den britischen Penguin Books orientieren. Anders aber als von den Big Shots der Galerie,  – zum Beispiel Tracey Emin und Anselm Kiefer – hörte man von Miller eher weniger. Das ändert sich gerade. Nach einer großen Ausstellung in der Berliner Gallery Blain Southern, zeigt Jay Jopling, Inhaber von White Cube und seit Jahren ein enger Freund von Harland Miller, jetzt des Künstlers großformatige Pop Art Werke auf zwei Etagen am Mason’s Yard.

Anleitung zur Selbsthilfe

Für One Bar Electric Memoir hat Harland Miller zwei neue Bilderserien entwickelt, in denen er auf seiner bisherigen Arbeit aufbauend, die Beziehung zwischen Betrachter, Text und Bild auf einer neuen Ebene auslotet. Die erste Serie von großformatigen Arbeiten basiert auf Millers umfassenden Archiv von psychologischen und sozialwissenschaftlichen Sachbüchern der 1960er und 70er Jahre, deren charakteristische, farbenfrohe und abstrakte Cover, Optimismus ausstrahlen und erstmals die Möglichkeit eröffneten, Unzulänglichkeiten und psychische Störungen durch Selbsthilfe zu heilen.

Harlands, von diesen Büchern inspirierten, geometrischen Titelbilder erinnern nicht nur an zeitgenössische, abstrakte Gemälde, sondern benennen auch die dunklen Aspekte unserer Neurosen, die in den Büchern behandelt werden. Es sind Bücher, die aus jener sehr speziellen Nachkriegsära stammen, in der den Menschen nach und nach immer mehr Informationen zur Verfügung standen – und von diesen auch aktiv eingefordert wurden. Oft sehr praktisch, beschäftigten sie sich vorderrangig damit, wie es gelingen konnte, die Gesellschaft und das einzelne Individuum wieder ins Lot zu bringen.

Harland Miller. „Wherever You are, Whatever You’re doing, this one’s for you“, 2017. Foto: White Cube / George Darrell

Millers Gemälde sind dominiert von dreidimensionalen, architektonischen Figuren in leuchtend poppigen Farben, die der Künstler  mit fiktionalen, sarkastisch-humoristischen Titeln, wie Reverse Psychology Isn’t Working (2017) oder Immediate Relief… Coming Soon(2017) kombiniert. Immer wieder erscheinen die gleichen Titel auf unterschiedliche Gemälden, dadurch unterstreicht Miller in welchem Ausmaß Farbe, Form und Kontext sowohl den Rhytmus als auch die Bedeutung eines Titels verändern können.

Harland Miller. Reverse Psychology Isn’t Working, 2017. Picture: White Cube, George Darell

Anleitung zur Selbsthilfe

Passend zu den Titeln können auch die Bilder auf verschiedene Arten gelesen werden. Zu seiner Arbeit  Armageddon – Is It Too Much To Ask? (2017) zum Beispiel sagte Harland Miller: „Es ist ein Bild, dass Du auf eine bestimmte Weise sehen kannst, dann aber, wenn Du entspannst, dreht es sich, und so sehr Du es auch versuchst, es wird Dir nicht mehr gelingen, es so sehen, wie Du es vorher gesehen hast.“ Die neuen Arbeiten markieren für den Künstler einen Aufbruch, hat er doch bisher hauptsächlich Gemälde gemalt, die auf den britischen Penguin Book Klassikern basierten und deren Design somit bereits als reale Buchcover existierten. Dieses Mal aber hat Miller die Designs der Buchcover selbst entworfen, und sich dabei stark auf die Auswirkung fokussiert, die das Bild auf den Betrachter hat.

Harland Miller. „Armageddon. Is it too much to ask?“, 2017. Foto: White Cube / George Darrell

UNGEWOHNT EINSILBIG

In seiner zweiten Serie fiktionaler Buchcover hebt Harland die Umrandungen von einzelnen Buchstaben in verschiedenen Schriftarten und Farben hervor, die sich gegenseitig durchschneiden oder überlagern und kreiert auf diese Weise kurze, prägnante Wörter, wie „Up“ oder „If“. Dadurch, dass er die Buchstaben voneinander isoliert, sie einander überlagern lässt und sie voneinander löst, erzeugt er auf den Bildern eine gefühlte Tiefe, die dazu beiträgt, das wir den Sinn von Sprache abstrahieren und dekonstruieren. Mit ihren klaren, leuchtenden Farben zitieren die Werke dieser Serie aber auch amerikanische Vorbilder, ganz besonders verweisen sie auf Robert Rauschenbergs und Ed Ruscha’s Arbeiten, in denen die Künstler auf unkonventionelle Art Zeichen und Motive verwendeten. Millers Ziel war es, Arbeiten zu schaffen, die im Gegensatz zu seinem bisherigen Werk keinen ganzen Titel zeigen, sondern sich auf ein einzelnes Wort beschränken.

Harland Miller. „If“, 2017. Foto: White Cube / George Darrell

In beiden Serien verwendet Miller, wie auch bisher, seinen eigenen Namen als Autorennamen. Da sein Name sich in diesem Fall aber nicht nur auf das fiktive Buchcover sondern auch auf die tatsächliche Autorenschaft von Bild und Text bezieht, verschwimmen Realität und Fiktion und erlauben es Harland Miller, mit seinen Titeln auf charmante Art und Weise zu provozieren, Fragen aufzuwerfen und die Aufmerksamkeit des Betrachters so auf den Kontext und Inhalt jedes einzelnen Werkes zu lenken.

Die Ausstellung „One Bar Electric Memoir“ ist bis 9. September bei White Cube in London zu sehen.

Ihr wollt mehr wissen? Ich habe Harland in seinem Studio besucht und mit ihm über seine Arbeiten gesprochen. Zum Interview geht es hier.

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