5 Fragen an: Regisseurin Nicola Graef über ihren Film „Neo Rauch – Gefährten und Begleiter“

Neo Rauch – Gefährten und Begleiter

Neo Rauch gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern unserer Gegenwart – und gilt als ausgesprochen kamerascheu. Die Regisseurin Nicola Graef hat er trotzdem in sein Atelier gelassen. Ihr Kinofilm Neo Rauch – Gefährten und Begleiter, der über den langen Zeitraum von drei Jahren entstanden ist, gewährt einen ungewöhnlichen Einblick in die Arbeit des Leipziger Künstlers. Kein Wunder, dass das Ergebnis bei der Premiere von den sechshundert geladenen Gästen im Berliner Kino International gebührend gefeiert wurde. BOX IN A SUITCASE hat mit Nicola Graef über den Film gesprochen.

Neo Rauch in seinem Atelier. Foto: Lona Media

Dein Film trägt den Titel Neo Rauch – Gefährten und Begleiter. Was verbirgt sich dahinter?

Nicola Graef: Es ging mir darum, den besonderen Kosmos von Neo Rauch zu zeigen. Seine Gefährten und Begleiter sind zum einen die Figuren auf seinen Bildern, die ihn ja sogar auch nachts in seinen Träumen heimsuchen und wie er sagt, nicht in Ruhe lassen. Zum anderen aber geht es um reale Menschen, die in seinem Leben einen festen Platz haben. Natürlich seine Frau, die Malerin Rosa Loy, aber auch andere Menschen, die seit langer Zeit dazu gehören, wie sein Galerist Judy Lybke, seine Lithografen und auch einige seiner Sammler. Neo Rauch ist ein sehr treuer Mensch.

Weshalb wolltest Du unbedingt einen Film über Neo Rauch drehen – was fasziniert Dich so an seiner Kunst?

Nicola Graef: Mich hat seine Kunst schon immer seltsam berührt. Auf eine eindringliche, aber auch nicht immer nachvollziehbare Weise. Dieses Entrückte, diese Einzelmenschen, diese Eigenartigkeit der Atmosphäre, aber auch diese große Sinnlichkeit. Das alles zusammen löste in mir viele Emotionen aus, denen ich auf den Grund gehen wollte, indem ich mich intensiv mit dem Maler und seinem Werk beschäftige. Zum Glück hatte ich diese Möglichkeit dank des Dokumentarfilms.

Neo Rauch gilt als kamerascheu – wie ist es Dir gelungen, ihn dennoch drei Jahre lang zu begleiten?

Nicola Graef: Ich denke es ist eine Mischung aus Vertrauen, das gewachsen ist über viele Gespräche und Begegnungen mit ihm und seiner Frau und persönlicher Sympathie. Ich habe ihm von Anfang vermittelt, dass es mir in erster Linie um die Auseinandersetzung mit der Kunst geht und nicht um eine private Schlüsselloch-Perspektive. Ich respektiere Privatsphäre sehr. Außerdem mochte er wohl meine Filme, er meinte z.B. als er meinen Dokumentarfilm über den verstorbenen Maler Jörg Immendorff gesehen hatte, hätte er nicht schlafen können. Am Ende kommen aber auch ganz normale menschliche Reaktionen dazu: wir haben auch schnell eine sehr offene, entspannte Gesprächsatmosphäre gefunden, ich bin nicht als Bewunderin aufgetreten, sondern einfach als Gegenüber, das sich über Inhalte auseinandersetzen möchte und am Ende bin ich dann eines Tages einfach mit meinem kleinen Team im Atelier geblieben und da merkte er wohl auch, dass wir wirklich versucht haben, „so gut wie nicht“ da zu sein.

Was hast Du während dieser Zeit von Neo Rauch gelernt und was hat Dich am meisten überrascht?

Nicola Graef: Seinen Umgang mit Zeit fand ich sehr faszinierend. Diese Bedächtigkeit, diese Ruhe, diese Konzentration auf die Leinwand. Das Erschaffen eines Bildes ohne konkrete Vorlagen. Die Stimmung im Atelier hatte etwas still-berauschendes. Das mochte ich sehr. Gleichzeitig ist es auch verrückt, dieses Leben zu führen. Jeden Tag allein im Atelier mit mehreren Leinwänden, die du zum Leben erwecken musst. Das ist eine eigentlich unfassbare Aufgabe, die man da als Künstler ein Leben lang bewältigen muss.

Wie hat er den fertigen Film aufgenommen?

Nicola Graef: Er hat bis zur Premiere keine einzige Sekunde des Films gesehen und wir waren entsprechend beide sehr aufgeregt. Aber er mochte den Film und jetzt hat er ihn ja schon öfter gesehen und mag ihn wohl immer mehr. Zum Glück.

Neo Rauch – Gefährten und Begleiter ist ab 02. März im Kino zu sehen. 

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