5 Fragen an … Kele Okereke von Bloc Party

Box in a suitcase trifft Bloc Party

Mit „Silent Alarm“ hat die britische Band Bloc Party um Sänger Kele Okereke 2005 eines der großen Debütalben der Nullerjahre auf den Markt gebracht und in die britische Chartspitze katapultiert. Was folgte war, neben drei weiteren Alben, eine Achterbahnfahrt aus Karrierrehochphasen, unzähligen interne Bandstreitereien, einer vierjährigen Auszeit und einem Comeback mit neuer Besetzung. Jetzt ist Bloc Party zurück und hat mit „Hymns“ein Album mitgebracht, das trotz des unverwechselbaren Kele Okereke Sounds nicht nur anders klingt als seine Vorgänger sondern vielleicht sogar zu Kele’s persönlichsten Album geworden ist. Für BOX IN A SUITCASE habe ich mit ihm gesprochen.

Für das neue Bloc Party Album „Hymns“ hast Du Dich mit dem Thema Religion beschäftigt. Welche Rolle hat Religion in Deiner Kindheit gespielt und welche spielt sie heute?

Ich hab schon als Kind gedacht, dass Jesus ein cooler Typ war, der für das einstand, woran er glaubte, aber ich für meinen Teil konnte mit der Institution Kirche an sich einfach nichts anfangen. Ich bin zwar jeden Sonntag dort hingegangen, weil sie ein großer Teil unseres Lebens war und die sakrale Architektur, der Prunk und die Rituale faszinieren mich immer noch, aber geglaubt habe ich eher halbherzig. Ich denke heutzutage ist Religion die Quelle für die größten Konflikte, mit denen wir momentan in der westlichen Welt zu kämpfen haben, zum Beispiel in der Auseinandersetzungen mit extremen Islamisten. Wenn andere Menschen nicht daran glauben, woran Du glaubst, das geht meistens einfach nicht gut. Es geht dann oft nicht mehr um den eigentlichen Sinn von Religion, der ja auch beinhaltetet, sich zusammenzufinden und gegenseitig zu akzeptieren, es verändert alles. Ich bin kein Gläubiger, ich bin keine religiöse Person, genau deshalb habe ich mich für diese Platte mit dem Thema beschäftigt. Es ging um die Frage, wie ich das Gute im Leben feiern kann, nicht darum Grenzen zu setzen und andere Menschen auszuschließen.

Was war bei der Beschäftigung mit diesem Thema die größte Herausforderung für Dich?

Für mich lag der Challenge darin, herauszufinden, wie ich all das, was mir im Leben wichtig ist, integrieren kann, ohne dass es in einem Zusammenhang mit der Religion steht. Das musste ich geradezu auskundschaften, es ging nicht nur darum einfach eine Platte zu machen. Auch wenn ich nicht religiös bin, gibt es für mich verschiedene spirituelle Dimensionen zwischen denen wir uns hin und her bewegen. Ich denke es ist wichtig zu verstehen, dass es eine Außen- und eine Innenwelt gibt, und dann auszuloten in welcher Beziehung die Welt in uns mit der restlichen Welt außerhalb von uns steht.

Denkst Du man kann sagen im Zeitalter der Säkularisierung übernehmen Konzerthallen und Konzerte die Funktion von Kirchen und Gottesdiensten?

Wir leben in säkulären Zeiten, wir bestimmen weitestgehend über unser eigenes Schicksal, zumindest aus kultureller oder soziologischer Sicht. Gesellschaft und Religion sind mittlerweile weitestgehend getrennt, das war vor zweihundert Jahren noch ganz anders. Trotzdem glaube ich daran, dass es immer noch ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft gibt, Menschen möchten zusammenkommen, Erlebnisse miteinander teilen, das versuche ich mit meiner Arbeit als Musiker zu ermöglichen. In Live-Auftritten liegt eine ganz besondere Kraft und Energie, die sich dann entfaltet, wenn wir auf der Bühne stehen und diese gemeinsame Erfahrung mit denen teilen, die uns zuhören. Weißt Du, meine Eltern waren sehr religiös und ich habe mich dem schon früh verweigert, inzwischen habe ich erkannt, dass der Sinn, der für mich darin liegt Musik zu machen, vielleicht etwas ähnliches ist, wie der Sinn, der für meine Eltern in der Religion lag. Für mich ist es nur ein anderer Ort, an dem sich dieses Gefühl von Gemeinschaft einstellt, aber es geht um dieselbe Sache. Musik gibt mir Stärke, eine Identität. Es ist nur einfach eine andere Sprache aber sie erzeugt dasselbe Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Was ist Dein Lieblingssong vom neuen Bloc Party Album?

Einer meiner Lieblingssongs heißt „Different Drugs“. Ich bin wirklich glücklich, dass die Leute ihn zu mögen scheinen. Es geht um Liebhaber, die feststellen, dass sie mit der Zeit immer weniger gemeinsam haben und während sie versuchen miteinander zu reden, wird ihnen klar, dass sie in völlig unterschiedlichen Welten leben. Aus diesem Bild heraus ist der Text entstanden. Wir leben in unterschiedlichen Welten, an unterschiedlichen Orten, und können einander nicht wirklich erreichen, das ist die Geschichte, die „Different Drugs“ erzählt.

Das aktuelle Bloc Party Album heißt Hymns – Was macht aus einem guten Song eine Hymne?

Was verwandelt einen guten Song in eine Hymne? Lass mich überlegen. Was ich gelernt habe, als ich die Musik für das Album geschrieben habe, basierte auf der Neugier herauszufinden, was eine Hymne ist und welche Funktion sie in unserer Gesellschaft übernimmt. Ich bin zu meinen Eltern gefahren und habe ihre alten Liederbücher mit Hymnen durchgeblättert, dabei ist mir aufgefallen dass sie vor allem zwei Dinge machen: Etwas feiern und sich für etwas bedanken oder um Unterstützung in schwierigen Zeiten zu bitten. Das war mein Ausgangspunkt auch für das Album. Ich denke, eine Hymne muss eines von beidem machen.

Das einstündige Berlin Live Konzert von Bloc Party ist demnächst auf Arte zu sehen.

Bloc Party in neuer Besetzung. Foto: Pias
Bloc Party in neuer Besetzung. Foto: Pias

 

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