Only the sound remains: Philippe Jaroussky singt im Pariser Palais Garnier

Only the sound remains 

Paris Besucher haben diesen Monat die Chance eine außergewöhnliche Oper zu sehen, die Ende Januar im Palais Garnier ihre Frankreich Premiere feierte. Außergewöhnlich nicht nur, weil Only the sound remains dank eines abstrakten, schwarz-weißen Bühnenbildes und der Reduktion auf nur zwei Sänger und eine Tänzerin, ungewöhnlich modern wirkt, sondern auch weil diese zwei Sänger die Bühne genauso füllen, wie ein ganzes Ensemble.

Aunahmetalent Philippe Jaroussky

Verwunderlich ist das nicht, immerhin ist einer der beiden Sänger Philippe Jaroussky, der momentan als einer der besten Countertenöre der Welt gehandelt wird. Ihn singen zu hören, ist ohne Übertreibung, ein Ereignis an das man sich noch lange erinnert. Man muss kein Experte sein, um hören zu können, dass man es hier mit einem Ausnahmetalent zu tun hat.

Glockenhell und kristallklar – so abgeschmackt diese Ausdrücke sind – so zutreffend beschreiben Sie Jarousskys Gesang. Seine Stimme erreicht in der Pariser Oper mühelos selbst die hintersten Ränge. Wenn Jaroussky auf der Bühne steht, lösen sich Geschlechtergrenzen wie von selbst in Luft auf. Das erzeugt mitunter Momente der Irritation. Kann diese Stimme wirklich seinem männlichen Körper entspringen? Jarousskys Präsentation ist modern, seine Mimik zurückgenommen, Gestik quasi nicht vorhanden. Cooler kann ein Countertenor nicht sein.

Oper trifft No Theater

Aber zurück zu Only the sound remains, einer Inszenierung die aus zwei Kurzopern besteht. Inspiration für Always strong und Feather Mantle waren zwei Stücken aus dem japanischen No Theater, Tsunemasa und Hagoromo. Was die Handlung betrifft, sind beide genauso so reduziert, wie die visuelle Umsetzung der Inszenierung.

Only the sound remains. Copyright: Opera de Paris

In Always strong erscheint nach einem gewaltsamen Tod in der Schlacht, der gequälte Geist des Tsunemasa vor Gericht: ihm wurde das Glück verweigert die Flöte zuspielen, ein Instrument dem er einst so himmlische Töne entlockte. In Feather Mantle entdeckt ein Fischer einen Mantel der an einem Ast hängt. Eine Nymphe erscheint und bittet ihn, den Mantel zurückzugeben, denn nur so kann sie in den Himmel zurückkehren. Im Tausch bietet sie ihm an, für ihn zu tanzen.

Only the sound remains ist eine Inszenierung die hell und dunkel, kraftvoll und zerbrechlich zugleich ist. Eine Wirkung, die durch das pompöse Interieur des Palais Garnier mit seinen roten Samtlogen und dem beeindruckenden Deckengemälde von Marc Chagall für das die Oper so berühmt ist, nicht untergraben, sondern noch verstärkt wird.

Wer nicht gewillt ist, die teilweise spektakulären Kartenpreise zu zahlen, kann am Tag der Aufführung übrigens Last Minute Tickets für zehn Euro erwerben. Allen, denen es nicht gelingt, eine dieser Karten zu ergattern, sei zum Trost gesagt: Philippe Jaroussky live zu hören – noch dazu in der Opéra national de Paris – ist sein Geld wert.

 

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