Do you read me? Scheitern mit Erfolg: Die zehn besten Tipps

Wir haben alle schon mal versagt

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Wir haben alle schon versagt. Vielleicht nicht im ganz großen Stil aber in irgendeiner Form haben wir alle mal was vermasselt. „Laut Duden scheitern wir, wenn wir ‚keinen Erfolg haben‘. Aber was passiert wenn wir diesen kurzsichtigen Fehlerbegriff auf den Kopf stellen? Was ist, wenn wir das Scheitern neu denken – als eine der sichersten Routinen zum kreativen Erfolg, statt als Weg ins Verderben? Vielleicht sind die Irrtümer und Umstände, die bei sogenannten Fehlschlägen zusammentreffen, gar keine üblen Feinde, sondern eher die entscheidenden Bausteine zum Erschaffen von etwas Neuem, Aufregendem?“

Fast perfekt. Foto: Dumont

 

Fast perfekt. Über die Kunst hemmungslos zu scheitern

In „Fast perfekt. Die Kunst hemmungslos zu scheitern“ geht Kreativdirektor Erik Kessels genau diesen Fragen nach. Auf charmante Art und Weise erzählt Kessels davon, wie aus Fehlern Ideen entstehen und erklärt, weshalb wir uns die Frage nach dem Erfolg, der in unserem Scheitern versteckt liegt, öfter fragen sollten.

Scheitern mit Erfolg: Foto: BOX IN A SUITCASE
Scheitern mit Erfolg. Foto: BOX IN A SUITCASE

Wer also nur darauf gewartet hat, endlich die sinnlose Jagd nach Perfektion aufgeben zu können, sein Über-Ich bisher aber immer den Sieg davon getragen hat, findet hier die nötigen Argumente, mit deren Hilfe er sein Scheitern vor sich und dem Rest der Welt legitimieren kann:

ERFOLG DURCH SCHEITERN: Die zehn besten TipPS

  1. Ihr seid nicht allein. Jeder hortet Schubladen voller Fehlversuche und Absagen. Joanne K. Rowlings erstes Harry Potter Manuskript zum Beispiel, wurde gleich von mehreren Verlagen abgelegt. Nicht so schlimm für die Autorin, wie glücklich die Geschichte für sie ausging ,wissen wir alle. Aber man denke nur an die armen Lektoren, die das Buch zuerst auf dem Tisch hatten und es abgelehnt haben …
  2. Wer Fehler vermeidet, indem er keine Risiken eingeht, wird vielleicht keinen Ärger, aber sicher auch kein Lob ernten.
  3. Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass man das einmal ausgerechnet über unsere Fehler sagen wird, aber: Ein Fehler kann die Welt verändern. Man denke nur an Apples PDA. Den ersten „Personal Digital Assistent“ brachte das Unternehmen 1993 heraus. Während der PDA damals sofort den Spott von Kritikern und Konsumenten auf sich zog und als „extravagant, nutzlos und teuer“ verspottet wurde, gilt er heute als früher Smartphone und Tabletvorläufer und wird als „prophetischer Fehlschlag“ gefeiert.
  4. Daraus folgt die Erkenntnis: Zeit heilt nicht nur alle Wunden, sondern verwandelt auch so manchen Fehlschlag noch in einen Erfolg. Und mit etwas Glück entsteht dabei sogar etwas Geniales. Selbst Wilson Greatbatchs Herzschrittmacher war das Ergebnis einer Panne. Scheitern ist also nicht unbedingt ein Misserfolg, sondern oft nur Ausgangspunkt für etwas Neues.
  5. Logik ist überbewertet und sorgt für Langeweile, man denke nur an den einschläfernden Anblick einförmiger Stadtlandschaften. Kleine Fehler sorgen dafür, dass wir wieder genauer hinsehen – und bleiben uns Dank des eigenwilligen Charmes, den sie oft entwickeln, auch viel länger im Gedächtnis. Das weiß auch die Künstlerin Heike Bollig. Sie hat alltägliche Objekte gesammelt, die von ihren Schöpfern deformiert wurden. Und zwingt uns dadurch, neue Fragen zu stellen. Zum Beispiel: „Ist eine Brezel die nicht verknotet ist, noch eine Brezel“?
  6. Ihr denkt man muss 110 Prozent geben? Vergesst es. Wer auffallen will, sollte aufhören der Perfektion nachzurennen, das tun alle anderen schließlich auch. Unvollkommenheit prägt sich ein. Wagt ein Experiment, erklärt Euren Instinkten den Krieg und zelebriert für eine Weile die potenzielle Schönheit unnötiger Fehler, Ihr werdet sehen!
  7. Vergesst mal Euer ganzes Wissen, denn befreit von künstlerischen Visionen und kreativen Vorbildern, lassen sich manchmal die besten Kunstwerke schaffen.Lernt von Dilettanten. Ihre Gabe ist Ihre Naivität. Ihr seid Fotografen? Dann schaut Euch die Schönheit zufällig gewählter Bildausschnitte und falscher Belichtung Eurer Instagram-Follower an.
  8. Umarmt den Selbstzweifel! Selbstsicherheit ist zwar gut, um die Dinge anzugehen, wer sich weiterentwickeln will, sollte sich aber regelmäßig hinterfragen. Unsicherheit ist eine Eurer wertvollsten Ressourcen.
  9. Traut Euch, Versager zu sein. Ihr werdet sehen, es ist befreiend, eine Auszeit vom Erfolgsdruck zu haben. Und sympathisch macht es Euch auch noch.
  10. Selbst Samuel Beckett hat gesagt: Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern. Und wenn Beckett das sagt, muss ja etwas dran sein.

Auch in seiner erfolgreichen Agentur scheint der Autor Erik Kessels erfolgreich „Fehler“ zu begehen – zum Beispiel indem er sein Büro in einem alten Kirchengebäude aus dem 19. Jahrhundert unterbringt.

Scheitern mit Erfolg. Foto: Kessels Kramer
Foto: Kesselskramer Scheitern mit Erfolg: „Fast perfekt. Die Kunst hemmungslos zu scheitern“ von Erik Kessels ist im Dumont Verlag erschienen. Foto: Kessels Kramer

Wie man erfolgreich scheitert hat uns übrigens gerade erst Ex-Dior Designer Raf Simons vorgemacht. Den passenden Post findet Ihr hier.

 

 

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